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Epsilon
Lyrae im Sternbild Leier Fortsetzung, Teil 2 Ephemeriden und Umlaufbahnen a) 4 Epsilon Lyrae AB (Mayer 58, STF2382) Für die Berechnung der Umlaufbahn von 4 Epsilon Lyrae AB (STF2382) findet man in der Literatur verschiedene Bahnelemente. Die im Jahr 1956 von Guntzel-Lingner vorgeschlagene Umlaufbahn ist inzwischen veraltert, da neuere Beobachtungsdaten von der vorhergesagten Bahn abweichen. Er ging noch von einer Umlaufzeit von 1165 Jahren aus. Inzwischen nimmt man jedoch eine längere Umlaufzeit an : B.D. Mason und B. Hartkopf schlugen im Jahr 2004 neue Bahnelemente mit einer Periode von 1725 Jahren vor, B. Novakovic und N. Todorovic schlugen 2005 eine Umlaufbahn von 1804 Jahren Dauer vor [9]. Die Abbildungen 6a bis 6c zeigen diese 3 Umlaufbahnen von 4 Epsilon Lyrae nach Guntzel-Lingner, Mason, Hartkopf und Novakovic/Todorovic. ![]() ![]() Abbildung 6b: Umlaufbahn von 4 Epsilon Lyrae AB (STF2382) nach B.D. Mason und W. Hartkopf, WSI2004b [9] ![]() Abbildung 6c : Umlaufbahn von 4 Epsilon Lyrae AB (STF2382) nach B. Novakovic und N. Todorovic, Nov 2006e [9] im Vergleich mit 6b).
Tabelle 7 : Ephemeriden für die verschiedenen Bahnen Wie man gleich erkennt,
unterscheiden sich die Umlaufbahnen recht deutlich voneinander. Bedenkt
man, dass die Bahnbeschreibungen in 6b und 6c etwa zum gleichem
Zeitpunkt entwickelt wurden, so wird deutlich, wie unsicher die
Kenntnis über die Bahn von 4 Epsilon Lyrae AB heute noch ist. Der Grund
hierfür liegt in der langen Periodizität der Bahn und der damit
verbundenen schlechten Abdeckung durch Messdaten. Dies macht 4 Epsilon
Lyrae zu einem interessanten Beobachtungsobjekt, denn anhand genauer
Messungen lassen sich zukünftig sicherere Aussagen über die Umlaufbahn
machen. b) 5 Epsilon Lyrae CD
(Mayer 58, STF2383) ![]() Abbildung 8: Umlaufbahn von 5 Epsilon Lyrae CD (STF2383) nach J.A. Dacobo und J.M. Costa von 1984
Tabelle 9 : Ephemeriden für 5 Epsilon Lyrae CD Vergleich zwischen Ephemeriden
und historischen Messungen Tabelle 10 zeigt den
Vergleich zwischen den Messungen verschiedener
Beobachter mit der
Ephemeride von Novakovic
/
Todorovic (Nov 2005). Tatsächlich stimmen Mayers und Bessels
Messungen mit dieser Ephemeride erstaunlich gut überein. Die Messungen
zwischen Bessel und Struve wiederum weisen generell
einen
systematischen Fehler
von etwa 0,3'' auf, was sie anhand eines Vergleiches von 37
Doppelsternen bereits selbst herausfanden [10].
Tabelle 10 : 4
Epsilon Lyrae (AB), STF2382
Tabelle 11 : 5
Epsilon Lyrae (CD), STF2383
Bereits Christian
Mayer
bestimmte im Jahr 1779 den Abstand zwischen Epsilon 1 Lyrae (STF2382)
und Epsilon 2 Lyrae (STF2383) mit 3' 33'' = 213''. Dieser Wert
ist
zwar ein wenig zu groß, doch hat sich der Abstand zwischen
STF2382 und STF2383 im Laufe der Zeit kaum verändert. Johann Heinrich
Mädler schrieb in der 1. Auflage seines Buches Populäre
Astronomie aus
dem Jahre 1841 folgendes : "Epsilon
Lyrae 2382 H. II. 5. und 5 Lyrae 2383 H. II. 6 Doppelter Doppelstern,
d.h. zwei
geschlossene Systeme, deren grosse Nähe es wahrscheinlich macht, dass
sie
selbst wieder ein System höherer Ordnung bilden. Sie können mit aller
Bequemlichkeit bei 3-500 maliger Vergrösserung zugleich im Felde des
Fernrohrs
beobachtet werden.- Epsilon Lyrae, das nördliche Sternpaar, 4,6 m
grünlich und
6,3 m bläulichweiss, hat bei einem Abstande von 3’’ seine Position in
37 Jahren
um 9° retrograd verändert, bei 5 Lyrae hat diese Veränderung in
derselben Zeit
19° betragen, und der Abstand ist 2,6’’. Dieses letztere Sternenpaar
ist das
hellere, 4,9 m und 5,2 mag; beide Sterne sind glänzendweiss und ihre
Helligkeit
vielleicht etwas veränderlich. – Struve hat auch die Distanz und den
Positionswinkel der Hauptsterne beider Systeme unter sich gemessen, um
späteren
Jahrtausenden die Möglichkeit einer Vergleichung zu verschaffen. Er
findet für
1835 End März: Abstand 3’27’’,085 mit einem wahrscheinlichen Fehler von
0,057’’, und Position 172°52’,2 wahrscheinlicher Fehler 1’0." [12] Im
Gegensatz zu den über 550 Messungen der Einzelkomponenten ist die
Anzahl der Messungen zwischen AB und CD mit 83 Messungen recht
gering. Die Ausreiser sind in den nachfolgenden Diagrammen nicht
dargestellt, da sie bei der Berechnung der Ausgleichsgeraden zu
falschen Ergebnissen führen würden. ![]() Abbildung 12 :
Abstand zwischen STF2382 und STF2383 in Bogensekunden über der Zeit (in
Jahreszahlen) STF2382: μx
= 10,55 Millibogensekunden/Jahr
[WDS :
11 Millibogensekunden/Jahr]
STF2383: μx = 1,66
Millibogensekunden/Jahr
[WDS : 8 Millibogensekunden/Jahr]
Relative Eigenbewegung zwischen STF2382 und STF2383 μ =
15,74 Millibogensekunden/Jahr
[WDS
: 7,6 Millibogensekunden/Jahr]
Interessant sind auch die Messungen des Positionswinkels (Abbildung 13). Diese zeigen bis 1980 nur eine geringe Streuung. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Messungen mikrometrisch vorgenommen. Mit dem Aufkommen elektronischer Messmethoden steigt ab 1980 die Streuung der ermittelten Positionswinkel erheblich an !
Abbildung 13 :
Winkel zwischen STF2282 und STF2283 über der Zeit (in Jahreszahlen) Im Juli 2008
bestimmte ich erstmals selbst den Abstand und den Winkel zwischen
STF2382 und STF2383. Die Messungen wurden sowohl mikrometrisch wie auch
mit Hilfe einer Webcam elektronisch durchgeführt. Sie sind auf der
Seite Bestimmung
von
Doppelsterndistanzen und Positionswinkel mit
einem Leitz Okularschraubenmikrometer
gegenübergestellt. Bei genauer
Betrachtung fällt zwischen STF2382 und STF2383 noch eine weitere
Komponete STFA37AI auf. Diese hat eine scheinbare Helligkeit von 10,4
mag und ist mit einer Öffnung von 8 Zoll noch gut zu erkennen. Dennoch
gibt es nur noch wenige Abstands- und Winkelmessungen dieser Komponente. ![]() Abbildung 14 :
Abstand von STFA 37AI in Bogensekunden über der Zeit (in
Jahreszahlen) Aus der Steigung der Ausgleichsgeraden läßt sich der Wert der relativen Eigenbewegung ablesen. Er liegt bei 38,3 Millibogensekunden pro Jahr.
Abbildung 15 :
Winkel von STFA 37AI über der Zeit (in Jahreszahlen) Neben STFA 37AI sei noch die Komponente STF2383CD-E erwähnt, die sich von CD in einem Abstand von 65,5'' und in einem Winkel von 333° befindet.
Quellennachweis [1] Christian Mayer, De
novis in coelo sidereo
phaenomenis in miris stellarum fixarum comitibus, Mannheim 1779 Seitenaufrufe
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