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Doppelsterne
mit einem 8-Zoll-Newton-Teleskop
Stichworte : Binary Stars, Double Stars, Parallaxe, Auflösungsvermögen, Astrometrie; R200SS, Aktuelle Messungen von J. S. Schlimmer Dieser Artikel erschien erstmals in der
Zeitschrift Nightsky, Ausgabe
03/2004. Seitdem wurde der Artikel mehrfach überarbeitet und erweitert.
Die Doppelsternbeobachtung beschäftigt sich mit der genauen
Positionsbestimmung von Doppel- und Mehrafchsystemen. Sind viele
Positionen eines Systems bekannt, so kann aus diesen eventuell eine
scheinbare Umlaufbahn inklusive der Umlaufdauer abgeleitet werden. Ist
sogar die absolute Bahn bekannt, so kann das Massenverhältnis der
Komponenten berechnet werden. Kurze Geschichte der Doppelsternbeobachtung Galileo
Galilei
beobachtete bereits 1617 Theta
Orionis und erkannte 2 weitere,
schwächere Sterne in der Nähe des
Hauptsterns. Beide Begleiter waren etwa gleich hell und hatten zu Theta
Orionis den gleichen Abstand. Für Galileo lagen die beiden Begleiter so
dicht an der Hauptkomponente, dass sie diese praktisch berührten. Abbildung 1 : Alkor (links) und Mizar (rechts) lassen sich bereits mit bloßem Auge trennen. Um Mizar getrennt zu sehen bedarf es hingegen ein kleines Teleskop. Seine Komponenten haben die Größen 2m,23 und 3m,88 und sind 14,3 Bogensekunden voneinander entfernt. Die Aufnahmen stammen vom 27.03.04 und wurden mit dem R200SS mit 1500 mm Brennweite angefertigt. Die systematische Suche und Beobachtung der Doppelsterne begann mit Christian Mayer. Mayer beobachtete helle Fixsterne um deren Eigenbewegung zu untersuchen. Dabei fielen ihm schwächere Sterne in nächster Umgebung dieser hellen Sterne auf, die bislang in keinem Sternregister aufgeführt waren. Im Jahre 1779 veröffentlichte er eine erste Tabelle mit 72 Doppelsternen. Diese Tabelle erschien 2 Jahre später in Bodes "Berliner Astronomisches Jahrbuch für 1784" unter dem Titel "Verzeichnis aller bisher entdeckten Doppeltsterne". Die Tabelle wurde von Bode um 8 Sterne erweitert und enthielt somit 80 Doppelsterne. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, war Christian Mayer bereits von einer gravitativen Zusammengehörigkeit dieser neuen Sternsysteme überzeugt. Durch Mayers Veröffentlichung angeregt beobachtete auch Friedrich Wilhelm Herschel ab dem Jahr 1779 systematisch Doppelsterne. Im Gegensatz zu Mayer hielt er diese Systeme jedoch nur für optische Doppelsterne. Herschel wollte mit seinen Beobachtungen geeignete Kandidaten zur Bestimmung der Parallaxe ermitteln, ein Vorschlag der bereits auf Galileo Galilei zurückgeht. Herschel veröffentlichte im Jahr 1782 seinen ersten Doppelstern Katalog mit insgesamt 269 Doppel- und Mehrfachsternen. Er teilte die beobachteten Doppelsterne je nach Schwierigkeitsgrad in 6 Klassen ein. In den nachfolgenden Jahren beobachtete er rund 1000 solcher Sterne, bis er 1804 zur Schlussfolgerung kam, ”dass es eigene Sternsysteme gibt, die aus 2 Fixsternen bestehen, von welchen der eine sich in einer regelmäßigen Bahn um den anderen bewege”. In diesen 24 Jahren hatte sich der Positionswinkel von 53 Xi UMa um 59° geändert (Abbildung 2 und 3) [1,2]. Er nannte diese Sterne Binary Stars im Gegensatz zu den scheinbaren Doppelsternen, die er als Double Stars bezeichnet [3]. Damit war der Beweis erbracht, dass das newtonsche Gravitationsgesetz von 1687 über unser Sonnensystem hinaus wirksam ist. Was uns heutzutage so selbstverständlich erscheint, war damals noch eine kleine Sensation. Abbildung 2 : 53 Xi UMa besteht aus zwei Komponenten mit einer Helligkeit von 4m,33 und 4m,80 mit einem Abstand von derzeit 1,7 Bogensekunden. Die Aufnahme entstand am 27.03.04. Wegen des sehr guten Seeings betrug die Bildausbeute 34 %. Die Brennweite des R200SS wurde mit einer zweiten Barlowlinse auf 3000 mm verlängert.
Abbildung 3 : die Umlaufbahn für 53 Xi UMa, beide Komponenten umkreisen den gemeinsamen Schwerpunkt in nur 59,8 Jahren. Wie man anhand der Jahreszahlen sieht, kann man die Bahnbewegung von Jahr zu Jahr mit verfolgen. Das macht 53 Xi UMa zu einem der interessantesten Doppelsterne an unserem Himmel. Ab 1815 beschäftigte sich F.G.W. Struve in Dorpat mit der Beobachtung und Vermessung von Doppelsternen. Im Jahre 1822 veröffentlichte er seinen ersten Doppelsternkatalog. In den kommenden 15 Jahren folgten 2 weitere Kataloge. Ab dem Jahr 1840 führte J. H. Mädler Struves Doppelsternbeobachtungen in Dorpat fort und berechnete für einige wenige Systeme erste Umlaufbahnen. Auch F.W. Bessel beobachtete zu dieser Zeit von Königsberg aus Doppelsterne. Ihm gelang 1838 als erstem die genaue Bestimmung der Parallaxe anhand des Sterns 61 Cygni (Abbildung 4). Abbildung 4 : Mit dem Fernglas ist der 5m,2 bzw. 6m,0 mag helle Doppelstern leicht zu finden. Seine Komponenten, die einen Abstand von 30 Bogensekunden haben, heben sich mit den Spektraltypen K5 und K7 deutlich als zwei rote Punkte vom Hintergrund der Milchstraße ab. Die Aufnahme entstand am 9. Oktober 2002. Die effektive Brennweite betrug 1500 mm. Das Bild zeigt das Ergebnis über 100 Mittellungen. Aufgrund seiner
schnellen
Eigenbewegung von 5,2 Bogensekunden pro Jahr war den Astronomen des 19.
Jahrhunderts bekannt, dass es sich bei 61 Cygni um einen der nächsten
Nachbarsterne unserer Sonne handeln muss. Durch die jährliche Drehung
der Erde um die Sonne - was zu beweisen war - sollte eine
periodische
Verschiebung von 61 Cygni gegen den Himmelshintergrund der sehr viel
weiter
befindlichen Sterne beobachtbar sein. Dies wird allgemein als
Sternparallaxe
bezeichnet. Anhand der Parallaxe konnte Bessel experimentell die
Richtigkeit
des heliozentrischen Weltbildes beweisen und bestimmte zugleich als
erster
den Abstand eines Sternes von uns. Anlässlich seines 200. Geburtstages brachte die Deutsche Bundespost 1984 Sonderbriefmarken mit dem Portrait von F. W. Bessel heraus. Auf der Briefmarke sind auch die Besselschen Funktionen 0. und 1. Ordnung abgebildet. Das Quadrat der Besselfunktion 0. Ordnung beschreibt unter anderem den Intensitätsverlauf eines Beugungsscheibchens bei einer Sternabbildung mit kreisrunder Öffnung. Mehr zur Bestimmung der Parallaxe und der Eigenbewegung von 61 Cygni finden Sie in dem Artikel Der Doppelstern 61 Cygni. Abbildung 5 : Ausschnitt aus der Sonderbriefmarke der Deutschen Post von 1984 anläßlich des 200. Geburtstages von F. W. Bessel. Im Hintergrund sind die Besselschen Funktionen 0. und 1. Ordnung dargestellt. Im Amerika
befasste sich
S.W. Burnham mit der Vermessung von Doppelsternen. Zunächst mit einem
6 Zoll Refraktor ausgestattet, stand ihm ab 1885 ein 18,5 Zoll
Refraktor
zur Verfügung. 1906 veröffentlichte Burnham einen Katalog mit über
13.000
Doppel- und Mehrfachsternen. Einer der größten
und
informativsten Doppelsternkataloge ist der ”Washington Double Star
Catalog”
(WDS) der knapp 100.000 Doppelsterne beinhaltet. Dieser wird ständig
überarbeitet
und ist auch für Amateure im Internet online verfügbar [5]. Hieraus
stammen
auch die genannten Daten der Darstellungen. Dieser kurze
historische
Rückblick erhebt natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Er
zeigt aber bereits, welche Rolle die Beobachtung der Doppelsterne in
der
Vergangenheit für das Verständnis über unseren Kosmos spielte. Auch in der
Gegenwart werden
ähnliche Beobachtungen mit Großteleskopen durchgeführt. Um das
unsichtbare
Zentrum unserer Milchstraße bewegen sich nahe Sterne auf elliptischen
Bahnen. Ein internationales Forscherteam konnte in den letzten 15
Jahren
den Umlauf des Sterns S2 um Sgr A* beobachten. Die dadurch gewonnenen
Erkenntnisse
stützen die Annahme, dass es sich bei Sgr A* um ein schwarzes Loch
handelt
[6]. Doppelsterne und Mehrfachsysteme Bei den Doppelsternen unterscheidet man verschiedene Typen. Bei den physischen Doppelsternen (Binary Stars) handelt es sich um Sterne, die aufgrund ihrer Gravitation um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Oft ist eine der beiden oder beide Komponenten wiederum doppelt. Man spricht dann von Mehrfachsystemen. Ein sehr schönes Beispiel für ein Mehrfachsystem ist Sigma Orionis, siehe Abbildung 6. Abbildung 6 : Sigma Orionis besteht aus 5 Komponenten, wobei die Hauptkomponenten A und B derzeit nur 0,3 Bogensekunden auseinander liegen und somit für Amateurteleskope kaum trennbar sind. Die Komponenten C, D und E haben jeweils einen Abstand von 11,5, 12,7 und 41,4 Bogensekunden von AB. Die Aufnahme stammt vom 18.01.04 und wurde mit einer Brennweite von 1500 mm aufgenommen. Von optischen
Doppelsternen
(Double Stars) ist die Rede, wenn 2 Sterne nur scheinbar dicht
beieinander
stehen aber sich nicht um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. Ein
sehr
bekanntes Beispiel hierfür ist das bereits erwähnte Paar Alkor und
Mizar
(Abbildung 1, Abbildung 7). Abbildung 7 : Alkor und Mizar, gezeichnet am 27.03.04 bei 50-facher Vergrößerung, das Gesichtsfeld hat einen Durchmesser von 1,6°
Das R200SS ist
ein 8-Zoll-Newton-Teleskop
von der Firma Vixen. Mit f/4 ist es zur Zeit das lichtstärkste Teleskop
von Vixen. Es findet hauptsächlich in der klassischen Deep Sky
Fotografie
Verwendung. Mit einer Primärbrennweite von 800 mm ist es für die
klassische
Fotografie im Kleinbildformat von Doppelsternen ungeeignet, weil der
Abbildungsmaßstab
zu gering ist. Auch die Verlängerung der Brennweite auf 1500 mm mit dem
optionalen Telekonverter bringt keine hinreichende Verbesserung. Abbildung 8 : Bei Alnitak, dem östlichen Gürtelstern im Orion handelt es sich um ein Dreifachsystem. Die Komponenten haben die Größen 1m,9, 4m,0 und 9m,9. Die Distanz zwischen der A und der B Komponente beträgt 2,4 Bogensekunden, zwischen der A und der C Komponente 57 Bogensekunden. Der Kontrastunterschied beträgt 8 Magnituden (ca. 1:1600) ! Die Aufnahme entstand am 18.01.04 mit einer Brennweite von 1500 mm. Wegen des sehr guten Seeings konnten alle Einzelbilder des Videos verwendet werden. Wird die Webcam für
astrometrische Zwecke verwendet, so sollte man sich über ein paar
grundlegende Eigenschaften
im
Klaren sein. Webcams sind Farbkameras. Die Farbinformation wird durch
Farbfilter
gewonnen, die in Form einer Matrix auf den Chip aufgedampft sind.
Arbeitet
man mit monochromatischem Licht - zum Beispiel durch Verwendung von
Filtern,
so reduziert sich das Auflösungsvermögen um 50 %, die Empfindlichkeit
reduziert sich sogar um ca. 66 %, da nur noch jeder dritte Pixel zum
Signal
beiträgt. Der Abstand zwischen
zwei
Sternen kann aufgrund der Anordnung der einzelnen lichtempfindlichen
Elemente
des CCD Chips keine beliebigen Werte einnehmen. Die Distanz der
Komponenten
ergibt sich bei der fotografischen Auswertung durch den Abstand der
beiden
Mittelpunkte. Diese lassen sich nur mit einer Genauigkeit von ± 1 Pixel
bestimmen.
alpha = 206265 * 1,22 lambda / DDabei ist D die effektive Öffnung des Teleskops und lambda die effektive Wellenlänge. In der Literatur findet man häufig die Bezeichnungen Tagessehen und Nachtsehen. Leider führen diese Bezeichnungen leicht zu Mißverständnissen. Beim Tagessehen wird das Licht von den farbempfindlichen Zäpfchen des Auges empfangen. Beim Nachtsehen hingegen wird das Licht von den sehr lichtempfindlichen Stäbchen aufgenommen. Diese können jedoch keine Farben unterscheiden und liegen zudem nicht in der Mitte der Netzhaut. Die Wahrnehmung über die Stäbchen kann daher nur durch indirektes Sehen erfolgen. Doppelsterne sind im Vergleich zu HII Regionen oder Galaxien helle Objekte, die im Okular direkt sichtbar sind. In der Regel können die Farben der einzelnen Komponenten deutlich wahrgenommen werden. Die maximale spektrale Empfindlichkeit des Auges für Farbwahrnehmungen (Zäpfchen) liegt bei 555 nm (DIN 5031 T 3) [14]. Mit einem
8-Zoll-Teleskop
lassen sich mit einer Wellenlänge von 555 nm nach dem
Rayleigh-Kriterium
rechnerisch Doppelsterne gleicher Farbe und Helligkeit von 0,70
Bogensekunden
auflösen. Allerdings wird das Auflösungsvermögen eines Teleskops in
der Praxis durch atmosphärische Turbulenzen limitiert. Um eine
Auflösung
von 1,0 Bogensekunden bei Langzeitbelichtungen zu erreichen, benötigt
man ein durchschnittliches Seeing von 0,57 Bogensekunden. Eine
ausführliche
Darstellung darüber finden Sie in dem Artikel Wie
gut muß das Seeing sein ? [9]. Abbildungsfehler, wie zum
Beispiel
Sphärische Aberration führen zu einer weiteren Verringerung des
Auflösungsvermögens.
Bei meinem R200SS liegt das Auflösungsvermögen bei visueller
Beobachtung
etwa bei 1,0 Bogensekunden (Zeta Canceri AB). Mit kurzen
Belichtungszeiten
können die atmosphärischen Turbulenzen eingefroren werden. Allerdings
lassen sich kurze Belichtungszeiten naturgemäß nur mit hellen Objekten
verwirklichen. Hierzu gehören auch Doppelsterne. Die Luftunruhe wirkt
sich bei kurzen Belichtungszeiten auf die Häufigkeit brauchbarer Bilder
aus. Für einen Wellenfrontenfehler von 1 rad (ca. lambda / 6) lässt
sich die Häufigkeit
dieser als ”lucky pictures”
bezeichneten Aufnahmen berechnen (siehe
Artikel Wie
gut muß das Seeing sein ?). Es ist daher nicht verwunderlich, dass
sich mit Hilfe einer Webcam bessere Auflösungen erzielen lassen, wie
bei
visueller Beobachtung. Bei meinem R200SS liegt hier das Limit bei etwa
0,7 Bogensekunden. Unter Astrometrie
versteht
man bei der Doppelsternbeobachtung die genaue Lagebestimmung der
verschiedenen Komponenten bezogen auf die Hauptkomponente. Die Lage ist
für eine bestimmte Zeit durch Angabe der Distanz und des
Positionswinkels eindeutig festgelegt (vergl. Koordinatensysteme).
Bei manchen Doppelsternen können im Laufe von wenigen Jahren erhebliche
Änderungen
auftreten (z.B. Xi UMa, Gamma
Virginis, 70 Oph, 44 Bootes). Die Bestimmung der
aktuellen Distanzen und
Positionswinkel kann daher
interessant
sein. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Kenntnis des exakten
Abbildungsmaßstabes, also dem Verhältnis zwischen der Größe
des Bildfeldes (in Pixel) zum abgebildeten Himmelsausschnitt (in
Bogensekunden). Wird
zur Brennweitenverlängerung eine Barlowlinse verwendet, so hängt
die effektive Brennweite des optischen Systems auch von dem Abstand
zwischen
Barlowlinse und Webcam ab und kann je nach verwendeten Adapter leicht
variieren. Die unterschiedlichen Abbildungsmaßstäbe müssen jeweils
genau
bekannt sein. Daher muss das System (Teleskop + Barlowlinse +
Okularhülsen + Webcam) zunächst kalibriert werden. Verschiedene
Verfahren zur Kalibrierung a) Kalibrierung anhand bekannter
Doppelsternabstände Die einfachste
Methode besteht darin, den Abstand mehrerer Doppelsterne aufzunehmen
und mit den Angaben aus der Literatur zu vergleichen. Hierbei stößt man
jedoch schnell auf die Frage, welche Doppelsternsysteme für eine
Kalibrierung in Frage kommen. Die Angaben aus den Katalogen sind in der
Regel nicht aktuell und oft zu ungenau. Der Washington Double Star Catalog [5]
bietet hierzu eine Liste von 80 Doppelsternen mit bekannter Umlaufbahn
an. Anhand der bekannten Umlaufbahnen lassen sich auf den Tag genau die
Ephemeriden berechnen, die zum Vergleich benötigt werden. Zu den
aufgeführten Beispielen gehören Xi UMa, Epsilon Lyrae Cc-D, 70 Oph und
STF3050 (Mayer 80). Gleichzeitig
wird im Washington Double Star Catalog [5]
aber auch vor dieser Methode gewarnt und auf die Methode mit einer
Schlitzmaske oder den Sterndurchgangstest verwiesen. b) Kalibrierung anhand des Sterndurchgangstests Das Bildfeld der gewählten optischen Konfiguration lässt sich durch einen Sterndurchgangstest leicht ermitteln. Hierzu bestimmt man die Zeit t, die ein Stern bekannter Deklination d benötigt, um das Bildfeld der Webcam bei ausgeschalteter Nachführung zu durchqueren. c)
Kalibrierung mit Hilfe einer Doppellochblende Maskiert
man die Teleskopöffnung mit einer Doppellochblende,
so wird ein Stern durch jede der beiden Öffnungen (Aperturen) separat
abgebildet.
Im Brennpunkt überlagern sich die Lichtwellen beider Öffnungen und
es
entsteht ein typisches Interferenzmuster. ![]() Abbildung 9 :
Interferenzstreifen im Beugungsscheibchen, Abstand der Aperturen 8 cm f
= 206265 lambda
/
B Der Quotient aus dem berechneten
Streifenabstand f und dem aufgezeichneten Abstand in Pixel liefert
sofort
den gesuchten Abbildungsmaßstab. Das Problem des Verfahrens liegt
darin, dass die Wellenlänge in der Regel nicht exakt bekannt ist.
Zeichnet man Doppelsterne ohne Verwendung
eines Filters auf, so sollte auch die interferometrische Kalibrierung
ohne Filter erfolgen. Die effektive Wellenlänge hängt dann von der
maximalen
Empfindlichkeit des CCD Sensors und dem Spektrum des gewählten
Teststerns ab. d) Bestimmung des Positionswinkels Der Positionswinkel muss immer neu ermittelt werden, wenn die Webcam neu montiert wurde. Zur Bestimmung des Positionswinkels sollte die Webcam an der Okularhülse möglichst exakt ausgerichtet werden. Bei einem Newton-Teleskop kann das mit Hilfe der Spinnenarme im intra- oder extrafokalen Beugungsbild eines Sterns erfolgen. Diese werden parallel zu den Bildrändern des Monitors ausgerichtet. Selbstverständlich sollten die Spinnenarme ihrerseits exakt in Deklination und Rektaszension ausgerichtet sein. Ohne großen Aufwand erreicht man mit dieser Methode Genauigkeiten von etwa 1° (Abbildung 10). Abbildung 10 : mit Hilfe der intra- bzw. extrafokalen Beugungsscheibchen lässt sich bei einem Newton Teleskop die Webcam besonders einfach ausrichten. Die hier gezeigten Beugungsscheibchen wurden jeweils im gleichen Abstand vom Fokus aufgenommen. Die Abweichungen beider Beugungsscheibchen voneinander weisen auf Sphärische Aberration hin. Höhere Genauigkeiten
bezüglich des Winkels lassen sich dadurch erzielen, indem man zwei
separate Aufnahmen des Doppelsterns am linken und rechten Bildrand
anfertigt. Bei der späteren Auswertung können beide Summenbilder
(REGISTAX, siehe unten) miteinander überlagert werden. Anhand einer
Verbindungslinie zwischen den beiden Aufnahmen kann der Korrekturwinkel
ausgelesen werden. Mit dieser Prozedur kann der Winkel mit einer
Genauigkeit von 0,1° ermittelt werden. Eine weitere und sehr
einfache Möglichkeit besteht darin, dass der Doppelstern bei
ausgeschalteter Nachführung aufgezeichnet wird. Dabei wandert der Stern
von Ost nach West. Das Programm REDUC kann aus solchen Aufnahmen
automatisch den Korrekturwinkel berechnen und übernimmt diesen bei der
späteren Auswertung der Aufnahmen. a)
REGISTAX Eine einfache Auswertung kann mit REGISTAX [11], einem
Freeware Programm
erfolgen. Dieses Programm erlaubt
sowohl eine automatische als auch eine manuelle Verarbeitung der
Videos. Die Hauptaufgabe des Programms besteht in der Lagekorrektur
des Objektes zwischen den Einzelbildern, die aufgrund des Seeings
statistisch gegeneinander verschoben sind. Aufgrund des Seeings sind
die Einzelbilder von sehr unterschiedlicher Qualität. Durch
Vergleich
der Einzelbilder mit einem vorgegebenen Muster im Frequenzbereich (FFT
Analyse) ist in der Regel eine automatische Selektion und
Weiterverarbeitung der besten Einzelbilder gegeben. Nach dem Zentrieren
können die besten Bilder automatisch zu einem Summenbild gestackt
werden ("shift und add" Verfahren). Mit einem weiteren
Bildverarbeitungsprogramm lassen
sich die Doppelsternabstände und Positionswinkel sofort auslesen. Die
erzielbaren Genauigkeiten liegen dabei im Bereich von ± 1
Pixel. b) REDUC Das Programm REDUC
[12] von Florent Losse
erlaubt hingegen eine automatische Analyse der Einzelbilder und wurde
speziell
zur Auswertung von Doppelsternaufnahmen geschrieben. Die erzielbaren
Genauigkeiten liegen dabei deutlich unter dem
Auflösungsvermögen des
Teleskops oder dem Abbildungsmaßstab der gewählten
Konfiguration. Die
Distanz von Xi UMa konnte mit
REDUC bis auf eine
Abweichung von 0,02'' genau gemessen werden.
a) Konsistenz verschiedener
Systemkonfigurationen Werden die
Doppelsternbeobachtungen mit verschiedenen, bekannten
Abbildungsmaßstäben durchgeführt, so sollten die unterschiedlichen
Aufnahmen im Rahmen der statistischen Genauigkeit für ein
Doppelsternsystem
das gleiche Ergebnis liefern. Was sich zunächst so selbstverständlich
anhört, erweißt sich in der Praxis aber schnell als Problem. Sollen die
Doppelsterndistanzen bis auf wenige 1/100 Bogensekunden genau bestimmt
werden, so müssen die Abbildungsmaßstäbe bis auf wenige
1/1000 Bogensekunden bekannt sein. Auch die
Belichtungszeit hat einen Einfluss auf das Ergebnis. Bei längeren
Belichtungszeiten werden die Beugungsscheibchen bzw. die Speckles
größer
dargestellt, wie bei kürzeren Belichtungen. Eine genaue Zentrierung
wird dadurch erschwert. Eine Übersättigung der abgebildeten Komponenten
durch zu lange Belichtungszeiten sollte daher vermieden werden. Dies
gelingt jedoch nur, wenn beide Komponenten annähernd gleich hell sind. b)
Reproduzierbarkeit der Systemkonfiguration c)
Reproduzierbarkeit des Auswerteprogramms Die Auswertung eines Datensatzes sollte unabhängig vom Initialbild im Rahmen der statistischen Streuung immer zum gleichen Ergebnis führen. Dies lässt sich relativ leicht überprüfen, indem man den gleichen Datensatz, z. B. die besten Bilder eines Videos mehrmals auswertet und jedes Mal mit einem anderem Einzelbild des Satzes beginnt. Eine weitere Möglichkeit diese Forderung zu überprüfen besteht darin, mehrere Videos, die von einem Doppelstern direkt nacheinander aufgezeichnet wurden, auszuwerten. Die unterschiedlichen Datensätze sollten ebenfalls innerhalb der statistischen Streuung zum gleichen Ergebnis führen. Diese Forderung wird von REDUC sehr gut erfüllt. Die Ergebnisse
finden Sie auf einer extra Seite Ergebnisse der
Doppelsternbeobachtungen !
Zur Überprüfung der Ergebnisse auf einen systematischen Fehler wurden die Messergebnisse von 2006 mit den Werten aus dem WDS verglichen. Eine entsprechende Darstellung finden Sie auf der Seite Fehleranalyse. Quellennachweis
[1] Felix R.
Paturi, Harenberg
Schlüsseldaten Astronomie, Harenberg Lexikon Verlag 1996, ISBN
3-611-00537-1 Seitenaufrufe
seit 1. Januar 2005 : |