| www.epsilon-lyrae.de zur Startseite zurück eine Ebene zurück Kontakt Inhalt : 1. Das theoretische Auflösungsvermögen 2. Der Einfluß des Seeings in der visuellen Astronomie 3. Der Einfluß des Seeings in der Videoastronomie 4. Der Doppelstern Gamma Virginis 5. Gamma Virginis mit dem R200SS und der Philips ToU Cam 740k Pro 6. Bildanalyse und Auswertung 7. Zusammenfassung und Ausblick 8. Danksagung 9. Quellennachweis
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Gamma Virginis
– oder der Sieg über das Seeing
(aus Interstellarum 27, April 2003) Neben der Deep Sky Fotografie haben mich schon immer Doppelsterne interessiert. Zeigt sich doch gerade bei diesen was ein Teleskop zu leisten vermag. Sicherlich ist der Vixen Newton R200SS kein Teleskop, das für die Beobachtung enger Doppelsterne konzipiert wurde. Sobald jedoch der Mond oder leichter Dunst den Himmel dominiert und die Beobachtung oder gar die Fotografie von Deep Sky Objekten kaum mehr möglich ist, mache ich jagt auf Doppelsterne. So weckte ein Artikel über Gamma Virginis [1] mein Interesse mich in den kommenden Jahren näher mit Gamma Virginis zu befassen. Das theoretische Auflösungsvermögen Was kann man nun von einem Teleskop mit 8-Zoll Öffnung erwarten ? Die maximale Empfindlichkeit des dunkel adaptierten Auges liegt bei einer Wellenlänge von 500 nm. Geht man von dieser Wellenlänge aus, so ergibt sich für das R200SS nach dem Rayleigh-Kriterium eine maximale Auflösung von 0,63 Bogensekunden. Bei dem Rayleigh-Kiterium geht man davon aus, dass sich zwei Beugungsscheibchen gleicher Helligkeit noch trennen lassen, wenn das Minimum des ersten mit dem Maximum des zweiten zusammenfällt. Das bedeutet wiederum, das Auflösungsvermögen entspricht dem Radius des zentralen Beugungsscheibchens ! Zwischen den beiden sich überlappenden Beugungsscheibchen fällt die Helligkeit auf 75 % des Maximalwertes ab. Die Luftunruhe, die nachfolgend allgemein als Seeing bezeichnet wird, ist hierbei noch nicht berücksichtigt. Bei Teleskopen mit einer Öffnung größer 4 Zoll wird das Auflösungsvermögen in der Regel durch das Seeing limitiert, so daß die Praxis in bezug auf die Auflösung von Doppelsternen ganz anders aussieht. Der Einfluß des Seeings in der visuellen Astronomie Unter dem Begriff Seeing
versteht man
allgemein das Flimmern und Funkeln der Sterne. In der Literatur wird
oft
zwischen einem Seeing- und einem Szintillationsanteil unterschieden.
Hier
möchte ich mich aber auf den Seeinganteil beschränken. Dieser
beschreibt
die Ortsschwankungen eines Sterns um seine mittlere Position. Bei
Teleskopen
mit Öffnungen bis 4 Zoll hat das Seeing meist keine große Auswirkungen
auf die Abbildungsqualität. Es kommt lediglich zu einem Zittern des
Bildes.
Bei größeren Teleskopen kommt es hingegen zur starken Abnahme von
Kontrast
und Schärfe. Auch bei dem R200SS wirkt sich die Luftunruhe primär auf
die Schärfe und den Kontrast der Abbildung aus. Das engste Sternpaar
das
ich visuell aufzulösen vermochte war 21 Draconis, ein Doppelstern mit
einem Abstand von 1,9 Bogensekunden. Im Juni steht er hoch im Zenit, wo
sich das Seeing am geringsten auswirkt. Es stellt sich daher die Frage
wie gut das Seeing sein muß, damit ein enges Paar noch getrennt werden
kann ? Lange Zeit schien mir diese Frage von grundlegender Bedeutung !
Gamma Virginis kulminiert in Deutschland bei einer Zenitdistanz von 55°. Bei einem Seeing von 1,0 Bogensekunden im Zenit ergibt sich für Gamma Virginis ein Seeing von 1,4 Bogensekunden. Das ist immer noch ein sehr gutes Seeing ! Nehmen wir als nächstes für den Zenit ein Seeing von 2,0 Bogensekunden an. Für Gamma Virginis verschlechtert sich dann das Seeing auf 2,8 Bogensekunden. Der Einfluß des Seeings in der Videoastronomie An eine visuelle Trennung von Gamma Virginis war nach meinen bisherigen Erfahrungen mit dem R200SS nicht zu denken. Neue Techniken mußten zum Einsatz kommen. Hier schien die Videoastronomie am aussichtsreichsten zu sein. Mit einer Webcam kann man preisgünstig helle Objekte mit hoher Auflösung als Video aufzeichnen. Der bedeutende Unterschied zum visuellen Beobachten besteht nun aber darin, daß die Belichtungszeiten der einzelnen Videobilder weit unter 1/20 Sekunde liegen. Bei mehr als 20 Bildern pro Sekunde kann das Auge diese nicht mehr als Einzelbilder erkennen. Die Frage in der Videoastronomie heißt also nicht wie gut muß das Seeing sein um einen Doppelstern als solchen noch trennen zu können, sondern wie kurz müssen die Belichtungszeiten sein damit das Seeing eingefroren wird ? Allerdings zeigt die Praxis, das sich die Ausbeute der verwertbaren Einzelbilder mit schlechter werdenden Seeing erheblich verringert ! Der Doppelstern Gamma Virginis Wohl kaum ein anderer Doppelstern ist für den Amateurastronomen derzeit so interessant und gleichsam eine solche Herausforderung wie Gamma Virginis. Es handelt sich hier um den bekanntesten Doppelstern im Sternbild Jungfrau. Beide Komponenten sind mit 3,48 mag und 3,50 mag nahezu gleich hell. Ihr Abstand variiert von 0,3" bis 6,2". Von April 2001 bis April 2002 hat sich der Abstand von 1,22" auf 1,01" verringert. Der Positionswinkel veränderte sich in dieser Zeit von 251,2° um 9,4° auf 241,8°. Im April 2003 wird sich der Abstand auf 0,78" weiter verringert haben. Die größte Annäherung wird für das Frühjahr 2005 erwartet. Hier sollen sich beide Komponenten bis auf 0,36" annähern. Für die Umlaufzeit ging man lange Zeit von 171,4 Jahren aus, doch wurde die Bewegung zunehmend schneller. Inzwischen nimmt man eine Periode von 168,7 Jahren an [1]. Abbildung 2 : Die Umlaufbahn von Gamma Virginis [5] Abbildung 2 zeigt die gesamte Umlaufbahn für Gamma Virginis [5]. Die Darstellung entspricht dem Blick durchs Okular, Norden ist unten, der Süden ist oben. Die Gradeinteilung ist entgegen gesetzt dem Uhrzeigersinn. Eine detailliertere Darstellung der Umlaufbahn für den Zeitraum von 1995 bis 2015 inklusive Positionswinkel und Abstände findet man ebenfalls unter [1]. Gamma Virginis mit dem R200SS und der Philips ToU Cam 740k Pro Zur Trennung von Gamma
Virginis wurden in mehreren Nächten im Mai insgesamt 10 Videos von je
10 Sekunden Dauer aufgenommen. Die effektive Brennweite betrug 3000 mm,
woraus sich ein Himmelsausschnitt von 4,0´x 3,0´ ergab. Mit einer
Auflösung
von 640 x 480 Pixel entspricht ein Pixel einem Winkel von 0,375
Bogensekunden.
Diese Auflösung reicht aus, um das theoretische Auflösungsvermögen
eines
8 Zöllers darzustellen. Zur Unterdrückung des Tubusseeing diente ein
Ventilator hinter dem Hauptspiegel, der die Luft im Tubus absaugte [6].
Mit dieser Hilfe konnte inzwischen auch in der hochauflösenden
Videoastronomie
enorme Verbesserungen in der Abbildungsqualität erzielt werden. Zur Auswertung wurden die
Videos zunächst
in Einzelbilder zerlegt [7]. Die Bilder auf denen beide Komponenten mit
etwa gleicher Helligkeit zu sehen sind, wurden zur Auswertung
herangezogen.
Der Abstand der beiden Komponenten spielte hierbei keine Rolle, ebenso
wenig der Positionswinkel. Danach wurden die jeweiligen Einzelbilder
eines
Videos addiert [8]. Das beste Ergebnis wurde bei Anpassung des
Helligkeitsschwerpunktes
erreicht. Hierbei werden die Bilder vor der Überlagerung objektbezogen
zentriert. Werden die Bilder einfach nur addiert, verliert sich der
Vorteil
des eingefrorenen Seeings und das Ergebnis ist ein längliches,
seeingverschmiertes Beugungsscheibchen, bei dem keine unterschiedlichen
Komponenten mehr zu erkennen sind.
Daher wurde das Bild
mit
Hilfe der
bikubischen Interpolationmethode auf das 100-fache vergrößert. Bei
dieser
Vergrößerungsmethode werden die neuen Pixel unter Berücksichtigung der
benachbarten Werte berechnet. Es werden dabei fließende Farbübergänge
erzeugt. Abbildung 3 zeigt das Ergebnis bei 10-facher Vergrößerung.
Für Ende Mai 2002 konnte ein Abstand von 0,975 Bogensekunden bestimmt werden. Der Positionswinkel betrug zu dieser Zeit 240,2°. Diese Werte stimmen hervorragend mit den vorhergesagten Werten aus [1] überein. Mit Hilfe der Videotechnik
ist es dank
der kurzen Belichtungszeiten möglich, das Seeing einzufrieren.
Anschließend
können die besten Einzelbilder zur weiteren Verarbeitung selektiert
werden.
Zudem lassen sich leicht Abbildungsmaßstäbe erzielen, die dem
theoretischem
Auflösungsvermögen des Teleskops entsprechen. Das Zusammenspiel dieser
beiden Möglichkeiten erlaubt auch die videotechnische Auflösung enger
Doppelsterne, die rein visuell nicht möglich sind. Für Gamma Virginis
konnte ein Abstand von 0,975 Bogensekunden bei einem
Positionswinkel
von 240,2° ermittelt werden. Mein Dank gilt allen Softwareentwicklern, die so freundlich waren Ihre Programme kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen. Ohne diese Programme wäre der sinnvolle Einsatz der Videoastronomie nicht möglich. [1] Andreas Alzner,
Objekte
der Saison, g
Vir, Interstellarum Ausgabe 17, April 2001 Seitenaufrufe seit
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