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Rupes
Recta - Die Lange Wand im Meer der Wolken
von J. S. Schlimmer (aus Sterne und Weltraum 2/2003) Früher freute ich mich über die hellen Vollmondnächte, aber seit ich Amateurastronom bin, hindert mich der Mond am tiefen Blick ins All. Doch bietet gerade unser Mond eine Detailfülle wie kein anderes Objekt am Himmel. Mit der Beobachtung der Langen Wand, einer 90 km langen Verwerfung, war mein Interesse entfacht. Eigentlich wollte ich den Doppelstern Gamma Virginis beobachten, aber das Licht der Abenddämmerung war hierfür noch zu hell. So richtete ich mein Teleskop auf den hoch am Himmel stehenden, zunehmenden Mond. Auf meinem Monitor flimmerten die Bilder der Mondlandschaft, die meine am Teleskop installierte Webcam aufnahm. Planlos schwenkte ich das Teleskop über die Mondoberfläche, bis ich auf eine feine, dunkle Linie stieß, die mein Interesse hervorrief. Für dieses Objekt reichte die Vergrößerung nicht aus. Obwohl es mir aufgrund der herrschenden Luftunruhe nicht sinnvoll erschien, verlängerte ich die Brennweite mit einer zweiten Barlow-Linse auf 3000 mm. Anschließend nahm ich eine kurze Videosequenz auf. Die Auswertung dieser Sequenz an den folgenden Tagen weckte zunehmend meine Begeisterung, die zu einer genaueren Analyse führte. Abbildung 1 : Die Lage von Recta Rupes auf dem Mond. Die Suche nach der Langen Wand Im Atlas der Sterne [1] konnte ich nach einer Stunde Suche auf einer Karte des Mondes im 3. Quadranten eine Formation finden, die mit meinem Bild übereinstimmte (Abbildung 2). Zunächst war ich über den enormen Abbildungsmaßstab meines Bildes überrascht. Die Vergrößerung hatte ich ohne weitere Überlegungen so gewählt. Abbildung 2: Das Mare Nubium, aufgenommen am 20.05.2002 gegen 21:46 MESZ mit dem R200SS von Vixen. Die Aufnahme ist das beste Einzelbild aus einer 10 s dauernden Videosequenz. Zum Aufzeichnen wurde die Philips ToU Cam Pro 740 K ohne Filter verwendet. Daher galt es zunächst
meine Aufnahmekonfiguration
zu analysieren. Schaltet man die Nachführung des Teleskops ab und
ermittelt
die Zeit, die ein Stern bekannter Deklination zum Durchqueren des
Bildfeldes
benötigt, so kann man sehr genau die Größe des Bildfeldes ermitteln.
Unter Verwendung beider Barlow-Linsen beträgt dieses genau 4´x 3´ !
Im Modus von 640 x 480 Pixeln entspricht somit ein Bildpunkt meiner
Webcam
einem Winkel von 0,375 Bogensekunden. Das Beugungsscheibchen meines
8-Zoll-
Teleskops wird also auf einer Fläche von 2 x 2 Pixeln abgebildet. Ich
hatte die Leistungsgrenze meines Teleskops erreicht, eine weitere
Vergrößerung
brächte keine zusätzliche Information mehr. Abbildung 3 : Gleiches Bild wie Abbildung 2, jedoch nach digitaler Aufbereitung Auch durch kleine Teleskope sichtbar Ich war im Mare Nubium auf
die Lange
Wand gestoßen. Sie wird offiziell auch als "Rupes Recta" bezeichnet und
ist die bekannteste Verwerfung auf dem Mond. Mit einem guten 80 mm
Refraktor
ist die Lange Wand bereits bei 20-facher Vergrößerung sehr schön zu
sehen, doch erst ab 60-facher Vergrößerung zeigen sich Details und
kleinere
Krater. Bei höheren Vergrößerungen macht sich die Luftunruhe zunehmend
bemerkbar, ebenso bei Teleskopen mit größeren Öffnungen. Die beste Zeit
zur Beobachtung ist bei zunehmenden Mond kurz nach Halbmond und kurz
vor
Halbmond in der abnehmenden Phase. Bei Vollmond bleibt die Lange Wand
unsichtbar. Ein wenig Geschichte Das Mare Nubium und der
Krater Thebit
erhielten ihre Namen von Giovanni Battista Riccioli im Jahre 1651, doch
ist der Krater Thebit im Mare Nubium bereits auf einer Mondkarte von
Johannes
Hevelius aus dem Jahre 1647 dargestellt [4]. Von Hevelius stammt auch
die
Bezeichnung des Kaps Taenarium [3]. Auf einer noch älteren Zeichnung,
die Galileo Galilei unter anderem in seiner Botschaft von den Sternen
1610
veröffentlichte, sind die Umrisse des Mare Nubium bereits zu erkennen,
allerdings ohne weitere Details [5]. Der kleinere Krater Birt erhielt
erst
im 19. Jahrhundert seinen Namen. Wer nun der Entdecker der Langen Wand
war ist mir unbekannt. Wie dem auch sei, wie großartig muß es für den
Astronomen gewesen sein, der in der Langen Wand erkannte was sie
wirklich
ist : eine Verwerfung auf dem Mond. Quellennachweis [1] Großer Atlas
der
Sterne, Corvus
Verlag- und Mediengesellschaft mbH, 1997 Seitenaufrufe seit 1.
Januar 2005 : |