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Teleskoptechnik


 
Das Bruce Teleskop der Landessternwarte Heidelberg

Bei dem Bruce Teleskop handelt es sich um einen 16-Zoll Doppelastrographen. Durch die gleichzeitige Aufnahme auf zwei getrennte Fotoplatten konnten später Plattenfehler sicher erkannt und ausgeschlossen werden. Das Astrograph wurde nach seiner Sponsorin
Catherine Wolfe Bruce (1816-1900) benannt, die Max Wolf mit einer Spende von 10.000 USD unterstützte. Es ging im Jahre 1900 in Betrieb. Die erste Himmelsobjekt auf das es gerichtet wurde, war g Persei am 16. August [1, 5].

Von ca. 1885 bis 1900 beobachtet Max Wolf mit seinem privaten 6-Zoll Doppelastrographen. Ab 1900 stand mit dem Bruce Teleskop ein leistungsfähiger 16-Zoll Astrograph zur Verfügung. Bis 1913 beobachtete Max Wolf in erster Linie Nebel, Kleinplaneten (Asteroiden) und Veränderliche. Ab 1914 wurde auch verstärkt nach Sternen mit großer Eigenbewegung, den sogenannten Schnellläufern geforscht. Durch die vorausgegangenen Jahre lag genügend Vergleichsmaterial zur Untersuchung dieser Sterne vor. Bis zu seinem Tod im Jahre 1932 bildeten diese Gebiete den Schwerpunkt von Wolfs Beobachtungen. Seine astronomischen Beobachtungen von 1885 bis 1932 veröffentlichte Max Wolf in 715 Mitteilungen, überwiegend in den Astronomischen Nachrichten [6].

Seit 2010 sind die Aufnahmen von Max Wolf und anderer Astronomen, die an der Landessternwarte in Heidelberg forschten online über das
Heidelberger Digitales Plattenarchiv [2, 3] verfügbar. Auch die Beobachtungsbücher sind über das digitale Angebot der Universitätsbibliothek Heidelberg online verfügbar [5]. Auf diese Weise ist der große historische Schatz früher fotografischer Himmelsaufnahmen und Dokumente allgemein zugänglich.


Kuppel des Bruce Teleskops der Landessternwarte Heidelberg, Foto : J.S. Schlimmer, 6/2009



Bruce Teleskop der Landessternwarte in Heidelberg, Foto : J.S. Schlimmer, 6/2009



Bruce Teleskop der Landessternwarte in Heidelberg, Foto : J.S. Schlimmer, 6/2009


Optisches Design des Bruce Astrographen, entnommen aus [5]

Doppelrefraktor für die Astrofotografie
Brennweite : 200 cm
Öffnung : 40 cm

Leitrohr zur Nachführung :
Brennweite : 400 cm
Öffnung : 25 cm
Inbetriebnahme :1900


Aufnahme der Andromedagalaxie mit dem Bruce Teleskop, 18. August 1901, Belichtung 3 Stunden 40 Minuten [4]






Weitere Informationen :

Weitere Astroaufnahmen des Bruce Teleskops befinden sich im Atlas "
Die Milchstraße und die kosmischen Nebel" [5].
Refraktor mit Doppelastrograph von Max Wolf


Quellennachweis :

[1] Hundert Jahre Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, Sterne und Weltraum 12/98
[2] Heidelberger Digitales Plattenarchiv : HDAP - Heidelberg Digitized Astronomical Plates
[3] Klaus Wenzel, Kurt Birkle, Astronomische Schätze heben, Sterne und Weltraum, März 2010
[4] Prof. Dr. Max Wolf, Die Milchstraße und die kosmischen Nebel, Das Weltall im Bilde, 16 Lichtdrucke nach Himmelsphotographien mit erläuterndem Text, Herausgegeben vom Bund der Sternfreunde durch Robert Henseling, Verlag Die Sterne Potsdam, 1925, Privatbesitz J.S. Schlimmer
[5] entnommen aus Universitätsbibliothek Heidelberg, Digitale Bibliothek, Beobachtungsbücher Bruce-Teleskop
[6]
Veröffentlichungen von Max Wolf : SAO/NASA Astrophysics Data System (ADS)