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Berechnung der relativen Eigenbewegung von optischen
Doppelsternen J.S.Schlimmer (8/2008) Optische Dopplelsterne verraten sich nicht allein durch ihren großen Helligkeitsunterschied. In der Regel besitzen die Komponenten auch unterschiedliche Eigenbewegungen. Nachfolgend ist die Vorgehensweise zur Berechnung der Eigenbewegung skizziert. Die Berechnung der Eigenbewegung ermöglicht auch eine detaillierte Fehleranalyse aller Beobachtungsdaten des zu berechnenden Systems. 1. Datensatz aller Beobachtungsdaten für das Doppelsternsystem anfordern Washington Double Star Catalog -> Data Request Form ausfüllen. Die benötigten Angaben "WDS DISC + COMPS" sowie "WDS COORDS" entnimmt man direkt aus dem WDS Katalog. Für epsilon Lyrae findet man im WDS Katalog zum Beispiel folgenden Eintrag : 18443+3940STF2382AB
1777 2007 555 45 349 4.0 2.4
5.15 6.10 A4V F1V
WDS DISC + COMPS = STF2382AB WDS COORDS = 18443+3940 2. Datensatz in Excel Tabelle importieren : Menü Daten -> Externe Daten importieren ![]() Abbildung 1 : Datenimport von epsilon Lyrae 3. Korrektur für Positionswinkel durchführen Damit die Darstellung der Beobachtungsdaten in Excel entsprechend der üblichen Konvention der Doppelsternbeobachtung entspricht, wird eine Winkelkorrektur durchgeführt : ![]() 4. Umwandlung der Polarkoordinaten in Kartesische Koordinaten ![]() siehe Koordinatensysteme. Die Winkel müssen in Excel im Bogenmaß angegeben werden ! 5. Diagramm Die Eigenbewegung eines Sterns kann leicht dargestellt werden. Hierzu gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten: a) Zeitinvariante Darstellung Die Eigenbewegung wird als xy -Plot dargestellt. Hierzu erfolgt zunächst eine Koordinatentransformation von Polarkoordinaten in Kartesische Koordinaten. Diese Art der Darstellung ist weit verbreitet und berücksichtigt Distanz und Winkel. Signifikante Messfehler fallen hierbei schnell auf. Die Zeit ist als Parameter nicht direkt ablesbar. Sie kann gegebenenfalls als Kommentar zu den Beobachtungsdaten hinzugefügt werden. Als Beispiel ist hier die Eigenbewegung von Delta Herkulis dargestellt. Herschels Beobachtung aus dem Jahre 1779 weicht dabei deutlich von der extrapolierten Ausgleichsgeraden ab. ![]() Abbildung 2: Eigenbewegung von Delta Herculis als xy-Plot b) Zeitabhängige Darstellungen Man kann die Eigenbewegung auch direkt über der Zeit auftragen. Allerdings benötigt man hierfür 2 getrennte Diagramme da die Richtung im Betrag der Eigenbewegung nicht enthalten ist. Der Vorteil der zeitabhängigen Darstellung besteht darin, dass der Betrag der Eigenbewegung gleich der Steigung der Geraden ist. In dieser Darstellungsform werden signifikante Messfehler nicht so leicht erkannt, wie man aus den Beispielen von d Herkulis erkennt. Da die größte scheinbare Annäherung zwischen Delta Herkulis und dem Hintergrundstern um das Jahr 1964 erfolgte, ändert sich die Steigung der Geraden sprungartig. Neben der Distanz muss zusätzlich auch der Winkel über der Zeit aufgetragen werden. Der Punkt mit der größten Steigung zeigt gleichzeitig den Zeitpunkt der scheinbar größten Annäherung an. ![]() Abbildung 3: Scheinbare Distanz zwischen Delta Herculis AB über der Zeit ![]() Abbildung 4: Winkel zwischen Delta Herculis AB über der Zeit 6. Ausgleichsrechnung Für die Beobachtungsdaten (x,y) wird eine Ausgleichsgerade nach der Methode der kleinsten Quadrate von Gauß berechnet. Die Meßfehler sollten dabei normalverteilt sein. Ausreiser entsprechen diesem Kriterium nicht. Sie haben einen erheblichen Einfluß auf die Ausgleichsrechnung und können das Ergebnis verfälschen. Sie sind jedoch leicht zu erkennen und werden vor der Ausgleichsrechnung eliminiert. Da es sich bei der Eigenbewegung um eine geradlinige Bewegung handelt, lassen sich die Beobachtungswerte leicht durch eine Gerade der Form ![]() annähern. Die Koefffizienten a und b ergeben sich nach Gauß wie folgt [1] : ![]() ![]() mit : ![]() In Excel lassen sich diese Formeln leicht umsetzen. Man berechnet zuerst die Summen aller Xn, Yn Xn2, XnYn bevor man diese Werte in obige Gleichungen einsetzt. 7. Residuen Mit der Geradengleichung können nun leicht die approximierten y' - Werte für jede Beobachtung berechnet werden. Hieraus werden die neuen Polarkoordinaten Distanz' und Winkel' abgeleitet. Mit Kenntnis dieser Werte können leicht die Residuen berechnet werden. Diese ergeben sich aus der Differenz der beobachteten und der berechneten Werte : ![]() Die Residuen sind ein hervorragendes Maß für die Qualität jeder einzelnen Messung ! Beispiele
Quellennachweis [1] Lothar Papula, Mathematik für Ingenieure 2, 5. Auflage 1990, Vieweg
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