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Castor, 66
α
Geminorum, Mayer 21, STF1110 J.S.Schlimmer (3/2007) Allgemeines Castor, der sterbliche Bruder der beiden Zwillinge steht mit Pollux zusammen in den Wintermonaten hoch im Zenit. Während Pollux ein Einzelstern ist, handelt es sich bei Castor um ein System aus mehreren Sternen. Bereits mit einem kleinen Teleskop kann man die beiden Komponenten im Abstand von 4,4" leicht trennen. Die Hauptkomponente erscheint dabei mit einer Helligkeit von 2,0 mag während die zweite Komponente 2,9 mag hell leuchtet. Beide Komponenten sind spektroskopisch doppelt. Darunter versteht man sehr enge Doppelsterne, die sich auch mit großen Teleskopen nicht trennen lassen. Erfolgt ihre Rotation nicht gerade senkrecht zur Beobachtungsrichtung, so werden durch den Dopplereffekt die Spektrallininien in ihrer Feinstruktur periodisch rot– und blau verschoben. Richtet man seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung von Castor, so entdeckt man eine dritte Komponente in ca. 73" Abstand. Sie besitzt die gleiche Eigenbewegung wie AB und gehört somit zum "Castor-System". Da es sich hierbei um einen Bedeckungsveränderlichen handelt, schwankt die Helligkeit zwischen 9,1 und 9,7 mag. Da also jede Komponente doppelt ist, handelt es sich bei Castor um ein 6-fach System. In der weiteren Umgebung findet man noch die Komponente D, die allerdings nur ein optischer Hintergrundstern ist. Umlaufbahn und Bilder
Abbildung 2 : Castor, 29. Januar 2008, R200SS, 1500 mm, unterschiedliche Belichtungszeiten, Mittelung jeweils über 50 Einzelbilder Historische Beobachtungen Die Doppelsternnatur von Castor war bereits vor Christian Mayers und Friedrich Wilhelm Herschels Beobachtungen bekannt. Mayer sah ihn wie folgt : "Der schöne Stern Castor im Zwillinge ist ja schon ein bekannter Doppeltstern, ich habe selben gar oft und noch kürzlich den 8. April von diesem Jahre [1778] ganz genau gesucht zu bestimmen; ohngeachtet seines weissen Lichtes sieht man diesen Doppeltstern noch gar deutlich in der Abenddämmerung. Aus beiden dieser Sternen geht der kleinere voraus, nur um eine halbe Sekunde in der Zeit [=Differenz in RA], und stehet mehr gegen Norden um 4,5 Sekunden [Deklination]. Ich habe aber nebst diesem Trabanten des Castor im Jahre 1776 den 10. März, noch einenanderen kleineren blassen Trabanten auf Castor folgen gesehen; ich finde in meinem Sternenregister 3 bis 4 Sekunden in der Zeit, und 4 Sekunden nördlicher Abweichung, um welche dieser kleine Trabant höher steht." [7]. Abbildung 3 : Christian Mayers Eintrag im Beobachtungsbuch vom 4. März 1777 [9] Herschel beschrieb seine Beobachtungen über Castor wie folgt : "8. April 1778. Alpha Geminoriom, Fl. 66. In capite praecedentis II. Doppelt. Ein weinig ungleich. Beide weiß. Die Lücke zwischen den beiden Sternen beträgt bei 146-facher Vergrößerung ein Durchmesser des kleineren [Sterns], bei 222-fach, ein wenig mehr als ein Durchmesser, bei 227-fach, 1,5 Durchmesser des kleineren; bei 460 beinahe 2 Durchmesser des größeren [Sterns]; bei 754-fach 2 Durchmesser des größeren; bei 932-fach volle 2 Durchmesser des größeren; bei 1536-fach (sehr schön und deutlich) 3 Durchmesser des größeren [Sterns]; bei 3168-fach [ist das] Intervall extrem groß und ziemlich ausgeprägt. Die Distanz mit dem Mikrometer [beträgt] 5,156’’, Position 32° 47’ Nord vorlaufend [=270°+ 32,47° = 302,47°]. Dies sind die Durchschnitte der Beobachtungen der letzten beiden Jahre, außer die erste mit 146-facher [Vergrößerung]." [4] Da für Castor eine mathematische Umlaufbahn vorliegt, können Mayers und Herschels Messungen leicht überprüft werden. So betrug im Jahr 1778 der Abstand 3,55'', der Positionswinkel lag bei 308,47°. Beide Astronomen gaben also einen zu großen Abstand an. Auch Friedrich Georg Wilhelm Struve und Friedrich Wilhelm Bessel hatten Castor zeitgleich beobachtet. Aus den Beobachtungen von weiteren 36 Doppelsternen stellten sie eine systematische Abweichung von 0,3'' zwischen ihren Messungen fest. Neben Struve beobachtete auch Johann Heinrich Mädler Castor mit dem großen Fraunhofer Refraktor der Dorpater Sternwarte. In seinem Buch Populäre Astronomie gab J.H. Mädler neben der scheinbaren Bahn von Castor auch dessen wirkliche Bahn wieder. Aufgrund der langen Periode ist seit der ersten Beobachtung noch kein kompletter Bahnumlauf erfolgt : "(...) Der erste ist Castor oder Alpha Geminorum, einer der glänzendsten Doppelsterne unseres nördlichen HImmels. Seine gegenwärtige scheinbare und wahre Position zeigt die Zeichnung. Der Begleiter wird gegen ein halbes Jahrhundert lang in nahe gleicher (scheinbarer) Entfernung um seinen Hauptstern kreisen und sich dann rascher ihm nähern, bis er etwa im J. 1913 sein scheinbares und wahres Perihel erreicht. Doch ist diese Bahn eine von denen, die noch grosse Zweifel zulassen, da die älteren vor Herschel I. gemachten Beobachtungen sehr ungenau zu sein scheinen und die seit 60 Jahren gemachten wohl noch nicht mehr als ¼ der Bahn umfassen." Meßergebnisse im Vergleich Nachfolgend sind die Messungen den Ephemeriden von Docobo (Doc1985) gegenübergestellt. Mädlers Messungen vom April 1836 sind hier zu einem Wert zusammengefaßt.
Abbildung 5 : Verschiedene Meßergebnisse im Vergleich mit der berechnetetn Umlaufbahn Die Eigenbewegung von Castor Anhand des Hintergrundsterns D läßt sich die Eigenbewegung von Castor leicht verfolgen. Nachfolgendes Diagramm zeigt die relative Eigenbewegung von Castor AD : ![]() Eigenbewegung : μx = -213 Millibogensekunden/Jahr
μy = -170 Millibogensekunden/Jahr μ = -272 Millibogensekunden/Jahr Quellennachweis [2] Christian Mayer, Verzeichniss aller bisher entdeckten Doppelsterne, Berliner Astronomisches Jahrbuch für 1784, Herausgegeben von Johann Elert Bode 1781, [3] Brian Workman, Binary Star Orbit Calculator, http://www.geocities.com/CapeCanaveral/Runway/8879/englishdownload.html [4] Wiliam Herschel, Catalog of Double Stars, Philosophical transactions of the Royal society of London, 1782 Vol. 72 [5] The Bright Star Catalogue, http://www.alcyone.de/SIT/bsc/bsc.html [6] Wiliam Herschel, Catalog of Double Stars, Philosophical transactions of the Royal society of London, 1785 Vol. 75 [7] Christian Mayer, Gründliche Vertheidigung neuer Beobachtungen von Fixsterntrabanten welche zu Mannheim auf der kurfürstlichen Sternwarte entdeckt worden sind, Mannheim 1778 [8] Florent Losse, Reduc, http://www.astrosurf.com/hfosaf/uk/tdownload.htm [9] Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (LTA) / Archiv / Bildarchiv / Bestand Sternwarte, Fotografie : J.S.Schlimmer [10] J.H. Mädler, Populäre Astronomie, 4. Auflage, Berlin 1852, Fotografie : J.S.Schlimmer 12/2006 Danksagung This research has made use of the Washington Double Star Catalog maintained at the U.S. Naval Observatory. Seitenaufrufe
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