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Lambda Orionis, Meissa, STF 738, WDS05351+0956
oder "der nebelige am Kopfe"

J.S. Schlimmer (1/2005)

Allgemeines

Das Sternbild Orion bietet neben vielen bekannten Deep-Sky-Objekten auch eine Fülle an Doppel- und Mehrfachsternsystemen. Ein besonders interessanter Doppelstern ist Lambda Orionis. Man findet ihn leicht, wenn man nördlich der Verbindungslinie Beteigeuze-Bellatrix blickt (Abbildung 1). Nikolaus Kopernikus bezeichnete ihn als "der neblige am Kopfe [des Orion] " [1].
Lambda Orionis gehört zur Spektralklasse O8, daher erscheint er auf Aufnahmen in blau-weißer Farbe. Als O8 Stern emittiert er genug UV Strahlung, um den umliegenden Wasserstoff zum leuchten anzuregen. Dieser Wasserstoffnebel ist aber nur auf länger belichteten Aufnahmen zu erkennen.

 Abbildung 1 : Das Sternbild Orion, Minolta 50/4 mit Weichzeichner, Belichtungszeit 15 Minuten auf Kodak E200, 

Namensgebung und Entdeckungsgeschichte


Der Name Lambda Orionis geht auf den Augsburger Astronomen Johannes Bayer (1572-1625) zurück, der in seinem 1603 erschienenen Sternatlas Uranometria die Sterne mit griechischen Buchstaben benannte (Abbildung 2). Die Doppelsternnatur von Lambda Orionis war Johannes Bayer allerdings nicht bekannt. Das Fernrohr wurde erst ein paar Jahre später von Hans Lippershey erfunden und von Galileo Galilei 1610 erstmals gegen den Sternenhimmel gerichtet. Im WDS [3] wird als Jahr der ersten Beobachtung 1779 genannt. Es war Friedrich Wilhelm Herschel, der am 7. Oktober 1779 mit seinem Teleskop Lambda Orionis beobachtete und seine Mehrfachnatur erkannte : "Vierfach oder eher ein Doppelstern und zwei weitere in kurzer Distanz" [4]. Als Distanz gibt er 5,833" an.
Abbildung 2 : Auszug aus dem Sternatlas Uranometria von Johannes Bayer, Ausgabe von 1697 [2]

Beobachtungen


Abbildung 3 zeigt die nähere Umgebung von Lambda Orionis (oberhalb der Bildmitte) mit hellen Nachbarsternen. Lambda Orionis ist bei dieser Aufnahme, die mit einer Brennweite von 800 mm aufgenommen wurde, jedoch noch nicht aufgelöst. 
Abbildung 3 : Lambda Orions mit 800 mm Brennweite, großes Bild (ca. 80 kB)
Betrachtet man Lambda Orionis mit einem kleinen Teleskop, so lassen sich die Hauptkomponenten A (3,7 mag) und B (5,6 mag) leicht beobachten. Sie haben einen Abstand von 4,4". Mit einer Helligkeit von 10,7 mag und einen Abstand von 28,0“ gibt es in ca. 182° noch die Komponente C. Sie läßt sich mit einem 8-Zoll-Teleskop mit 120-facher Vergrößerung gut beobachten (siehe Abbildung 4 und 5). Die Begleiter D (9,6 mag) und E (9,2 mag) haben einen Abstand von 78,0“ und 151,1“. Ihre Positionswinkel sind 271° und 279°. Lambda Orionis ist also ein 5-fach System. 
Abbildung 4 : Zeichnung bei 120-facher Vergrößerung, Zeichnung groß (31 kB)
Zur Bestimmung der aktuellen Abstände und der Positionswinkel wurden zusätzlich Aufnahmen mit der Webcam angefertigt. Eine Aufnahme mit automatischen Einstellungen (5 Bilder pro Sekunde) zeigt auch die schwächeren Komponenten C, D und E, während eine manuell eingestellte Aufnahme mit 1/250 Sekunde Belichtungszeit die Komponenten A und B deutlich getrennt zeigt (kleines Bild). 
 Abbildung 5 : UNC30515, 1500 mm Brennweite, Februar 2012
Aus Abbildung 5 ergeben sich folgende Daten :

AB : Abstand :     4,2", Positionswinkel :   41°
AC : Abstand :   27,0", Positionswinkel : 182°
AD : Abstand :   78,0", Positionswinkel : 270°
AE : Abstand : 150,6", Positionswinkel : 277°

Literaturwerte

Vergleicht man diese Werte mit den nachfolgenden Angaben aus dem WDS [3], so besteht weitestgehend Übereinstimmung. Die Fehler liegen im Bereich der Erwartungen (siehe Artikel : Doppelsterne mit einem 8-Zoll-Newton-Teleskop).

AB : Helligkeit : 3,7 mag /   5,6 mag, Abstand :    4,3",  Positionswinkel :   44°
AC : Helligkeit : 3,7 mag / 10,7 mag, Abstand :   28,0",  Positionswinkel : 182°
AD : Helligkeit : 3,7 mag /   9,6 mag, Abstand :   78,0", Positionswinkel :  271°
AE : Helligkeit : 3,7 mag /   9,2 mag, Abstand : 151,1", Positionswinkel :  279°



Quellennachweis

[1] Nikolau Kopernikus, Über die Kreisbewegungen der Weltkörper,  1543, aus Stephen Hawking, Klassiker der Physik, Verlag Hoffmann und Campe 2004
[2] Uranometria von 1697, Abbildung aus : University of Oklahoma, http://hsci.cas.ou.edu/exhibits/exhibit.php?exbgrp=3&exbid=20&exbpg=81
[3] Brian D. Mason, Gary L. Wycoff, and William I. Hartkopf, The Washington Double Star Catalog, http://ad.usno.navy.mil/wds/
[4] Wiliam Herschel, Catalog of Double Stars, Philosophical transactions of the Royal society of London, 1782 Vol. 72




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