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Doppelsterne im Sternbild Ophiuchus (Schlangenträger)


Wolf 629 / Wolf 630,
KUI 75AB, LDS 573AB,C, WDS16555-0820, HD 152751, Sternpaar mit gemeinsamer Eigenbewegung, CPM Pair

Wolf 629/630, Mai 1917, Max Wolf, Bruce-Astrograf [7], vertikal gespiegelt

Wolf 629/630, Juni 2014, UNC30515, 1500 mm, vertikal gespiegelt

Das Paar Wolf 629/630 liegt zwischen 23 Ophiuchi und 20 Ophiuchi. Durch Vergleich von fotografischen Aufnahmen von 1908 mit Aufnahmen von 1917 stieß Max Wolf auf zwei Eigenbewegungspaare, die er in den Astronomischen Nachrichten von 1917 unter der Nr. 529/530 und 531/531 beschrieb :

"Bei der Durchmusterung einiger Aufnahmen vom Bruce-Fernrohr aus der Gegend von 23 Ophiuchi fand ich zwei Doppelsternpaare von größerer Eigenbewegung. (...) Es war sofort ersichtlich, daß 529 und 530* zusammen wandern, analog 531* mit 532 [siehe unten, Anm. des Autors]. Bei mehrfacher Messung der Eigenbewegungen zeigte sich aber merkwürdigerweise, daß die beiden Paare auch unter sich die gleiche Bewegung zu besitzen scheinen, obwohl sie am Himmel 4 Grad im größten Kreis voneinander liegen. Für das Paar 529-530* fand ich die jährliche Bewegung : ds = 1,26" Phi = 222°, während ich für das Paar 531*-532 die Bewegung ds = 1,25" Phi = 222° maß. Es handelt sich also unter allen Umständen um einen interessanten Fall. Die Eigenbewegungen von 529 und 532 sind neu; für die Bewegung der Hauptsterne 530* und 531* war dagegen große Bewegung bereits bekannt. Für 530* gibt Porter etwa 1,50" (221°), für 531* dagegen etwa 1,28" (227°), also die Bewegung der beiden Sterne ziemlich verschieden. Ich kann aber trotz allen Bemühens keinen größeren Unterschied in den Bewegungen der beiden Paare feststellen. Allerdings sind die Aufnahmen zufällig ziemlich mangelhaft und die Messungen der Eigenbewegung deshalb nicht genau möglich." [8].

Für Nr. 530* gibt Max Wolf als Referenz AG Ott 5811, für Nr. 531* AG Strb 5817 und für Nr. 532 AG Strb 5819 an [8]. In seiner späteren Zusammenfassung aller Sterne und Sternpaare mit Eigenbewegung werden die beiden Sterne Nr. 529/530 an 629. und 630. Stelle aufgeführt [9]. Diese Nummerierung wurde auch von der SIMBAD Astronomical Database übernommen [10].

Bei Wolf 630 = KUI 75AB handelt es sich um einen Veränderlichen vom Spektraltyp M3.5Ve. Der Hauptstern ist spektroskopisch doppelt und hat in 0,2" Abstand einen Begleiter B. Ferner gibt es einen rund 72" weit entfernten Begleiter C = Wolf 629 = LDS 573AB,C. Das System besitzt eine Eigenbewegung von -825,84 millibogensekunden / Jahr in R.A. und -873,53 millibogensekunden / Jahr in Deklination [10]. Die scheinbare Helligkeit der A Komponente (Wolf 630) beträgt 9,73 Magnituden, die Helligkeit der C Komponente (Wolf 629) beträgt 11,76 Magnituden [1]. Optisch liegt Wolf 630 in einer Gruppe von roten Riesen und roten Zwergen, über die es zahlreiche Publikationen gibt -> Wolf 630 Gruppe.

Zur besseren Darstellung der Eigenbewegung des Paares wurde im Bild vom 21. Juni 2014 die Position von 1917 rekonstruiert und die Verschiebung bis zum Jahr 2014 durch Pfeile gekennzeichnet. In diesen 97 Jahren hat sich die Position um 112" verändert. Beide Bilder sind vertikal gespiegelt.


Wolf 635, Wolf 636, WDS17050-0504, LDS 585AB, HD 154363,
Sternpaar mit gemeinsamer Eigenbewegung, CPM Pair

Wolf 635, Max Wolf am 25. Mai 1917, Bruce-Astrograf [7]

Wolf 630, Juni 2014, UNC30515, 1500 mm

Wolf 635 / Wolf 636 liegt südöstlich von 30 Ophiuchi, ca. 4° von Wolf 630 entfernt. Aufgrund des großen Bildfeldes des Bruce-Astrografen sind daher beide Sternpaare auf den gleichen Platten von Max Wolfs Aufnahmen (vergleiche oben Wolf 630). Auch bei Wolf 635 / Wolf 636 handelt es sich um ein Sternpaar mit gemeinsamer Eigenbewegung. Diese ist in Richtung und Betrag sehr ähnlich von Wolf 630 und beträgt -917,08 millibogensekunden / Jahr in R.A. und -1137,93 millibogensekunden / Jahr in Deklination. Wolf 635 ist ein Stern vom Spektraltyp K5 mit einer Helligkeit von 7,86 Magnituden. Wolf 636 besitzt eine scheinbare Helligkeit von 10,14 Magnituden. Der Abstand beträgt 183,8" der Winkel liegt bei 123° [1], [8], [10].

Roh Oph, 5 Oph, Mayer 51, H 2 19AB, WDS16256-2327

Roh Ophiuchus, Juni 2006, R200SS, 1500 mm, 1/50 s

Mit einer Deklination von -23° 27' steht Roh Ophiuchus bereits sehr weit im Süden. Die Beobachtung und Trennung der beiden Komponenten setzt daher sowohl ruhige Luft als auch eine gute Transparenz der Atmosphäre voraus. Insbesondere was die Luftruhe betrifft, so ist ein Teleskop kleinerer Öffnung für die Beobachtung von Vorteil. Die atmosphärische Refraktion macht sich bei obiger Aufnahme bereits deutlich bemerkbar, denn beide Komponenten sind in Wirklichkeit von gleicher Farbe.


36 Oph, Mayer 42,
SHJ 243AB, WDS17153-2636

36 Ophiuchi, August 2007, 1500 mm

Aufgrund der Deklination von -26° steht 36 Ophiuchi nur knapp über dem Horizont der Rheinebene und ist daher schwer zu beobachten. Umso erstaunlicher ist es daher diesen Doppelstern in Mayers Katalog zu finden.

39 Oph, Mayer 44, H 3  25, WDS17180-2417

39 Ophiuchi, August 2007, 1500 mm

Obwohl der offizielle Entdeckercode Wilhelm Friedrich Herschel als ersten Beobachter ausweist, war es doch der Mannheimer Astronom Christian Mayer, der die Doppelnatur von 39 Ophiuchi entdeckte. Der Doppelstern befindet sich mit einer Deklination von -24° bereits tief im Süden und ist somit der Luftunruhe stark ausgesetzt. Hieraus erklärt sich die unscharfe Abbildung.

STF2170AB, WDS17287+1029

STF2170, Juni 2013, 1500 mm

Die Struktur von STF2170 wurde im Jahr 1830 entdeckt. Seitdem hat sich der Winkel von 76° auf  59° verändert, der Abstand hat sich von 3,8'' auf 3,3'' verringert. Die Helligkeit beträgt 9,38 bzw. 10,01 Magnituden. Mit einem 4-Zoll Teleskop sollte dieser schöne Doppelstern bereits gut beobachtbar sein.


STF2188, WDS17362+0637

STF2188, Juni 2013, 1500 mm

Mit einer Helligkeit von 9,22 und 9,98 Magnituden bedarf es ebenfalls eines 4-Zoll Teleskops für die Beobachtung. Im Gegensatz zu dem Doppelstern zuvor, lässt sich STF2188 etwas leichter trennen, da der Abstand 5,5'' beträgt. Seit der ersten Beobachtung im Jahre 1831 haben sich weder Winkel noch Abstand verändert.

61 Ophiuchi , Mayer 47, STF 2202, WDS17446+0235

61 Ophiuchi, Juli 2006, R200SS, 1500 mm, f/5

61 Ophiuchi wird als Doppelstern erstmals in Cristian Mayers Doppelsternverzeichnis aufgeführt. Mayer nannte einen Abstand von 19''. Dieser Wert wurde rund 50 Jahre später, im Jahre 1837 auch von Mädler in Dorpart gefunden. Nach eigenen Messungen vom 2. Juli 2006 beträgt der Abstand 20,48'' ± 0,17'', der Positionswinkel 93,5° ± 0,5°. Diese Werte stimmen mit den Angaben im WDS (2004) exakt überein. Neben den beiden Komponenten AB gibt es noch einen weiteren Begleiter C, der aufgrund seiner Helligkeit von 12,5 mag mit einem 8-Zoll Teleskop jedoch nur schwer zu beobachten ist.

67 Ophiuchi, 67 Oph, H 6 2AC, BU  634, BU 1124AB, WDS18006+0256

 67 Ophiuchi, Juli 2012, UNC30515, 1500 mm Brennweite, Mittelung über 50 Einzelbilder
67 Ophiuchi besteht aus 5 Komponenten. Nur die Komponenten A und C fallen mit einer Helligkeit von 3,96 mag bzw. 8,06 mag direkt auf. Die Komponenten B (13,7 mag), D (12,5 mag) und E (10,9 mag) sind mit einem 8 Zoll Teleskop je nach visueller Grenzgröße des Beobachtungsortes nur schwer bzw. gar nicht mehr sichtbar. Mit einem 12 Zoll Teleskop ist es jedoch nicht schwer zumindest die Komponenten D und E zu detektieren. Die Komponente B liegt nur 6'' von A entfernt und wird leicht von dieser überstrahlt. Die Doppelsternnatur wurde 1823 von Herschel entdeckt. Die Entdeckung der Komponenten B, D und E gehen auf S.W. Burnham zurück, D und E (BU 634) wurden im Jahre 1878, B erst im Jahre 1889 (BU 1124) entdeckt
 

68 Ophiuchi, 68 Oph, BU 1125, WDS 18018+0118

68 Ophiuchi, September 2004, R200SS, 1500mm, Mittelung über 56 Einzelaufnahmen
Auch 68 Ophiuchi besteht aus 3 Komponenten, jedoch betragen die Abstände lediglich 0,6" bzw. 0,4".  Auf der Aufnahme sind die einzelnen Komponenten daher nicht zu erkennen. Der Stern in der linken unteren Ecke hat daher mit dem Doppelstern 68 Ophiuchi nichts zu tun. Es handelt sich bei diesem lediglich um ein Vorder- oder  Hintergrundstern.
 

70 Ophiuchi, 70 Oph, STF2272, WDS 18055+0230

Umlaufbahn von 70 Ophiuchi [3] inkl. Beobachtungsdaten [1]

 70 Ophiuchi, Juni 2006, R200SS, 1500mm, Mittelung über 32 Einzelaufnahmen
Aufgrund der kurzen Umlaufzeit von lediglich 87,7 Jahren handelt es sich bei 70 Ophiuchi um einen äußerst interessanten Doppelstern, der bereits 1781 beobachtet wurde. Derzeit bewegt sich die B Komponente auf das Apozentrum zu, das sie ca. 2020 erreichen wird. Das Apozentrum ist der Punkt auf der Umlaufbahn, der am weitesten vom gemeinsamen Schwerpunkt entfernt ist. Betrug der Abstand 2003 etwa 4,6", so wird er 2020 etwa 6,6" betragen [3]. Der Positionswinkel verändert sich in dieser Zeit von 141° auf 122°.





Quellennachweis

[1] The Washington Double Star Catalog, http://ad.usno.navy.mil/wds/
[2] Christian Mayer, Verzeichniss aller bisher entdeckten Doppelsterne, Berliner Astronomisches Jahrbuch für 1784, Herausgegeben von Johann Elert Bode 1781,
[3] Brian Workman, Binary Star Orbit Calculator, http://www.geocities.com/CapeCanaveral/Runway/8879/englishdownload.html
[4] William Herschel, Catalog of Double Stars, Philosophical transactions of the Royal society of London, 1782 Vol. 72
[5] The Bright Star Catalogue, http://www.alcyone.de/SIT/bsc/bsc.html
[6] William Herschel, Catalog of Double Stars, Philosophical transactions of the Royal society of London, 1785 Vol. 75
[7] HDAP, Heidelberg Digitized Astronomical Plates, http://dc.zah.uni-heidelberg.de/lswscans/res/positions/q/form
[8] Max Wolf, Zwei Doppelsterne mit vermutlich gemeinsamer Bewegung, Astronomische Nachrichten, Nr. 4908, 1917
[9] Max Wolf, Katalog von 1053 stärker bewegten Fixsternen, Veröffentlichung der Badischen Sternwarte zu Heidelberg, 1919
[10] Simbad, Centre de Donnees astronomiques de Strasbourg



Danksagung

This research has made use of the Washington Double Star Catalog maintained at the U.S. Naval Observatory.
This
research has made use of the SIMBAD database, operated at CDS, Strasbourg, France
This work made use of the HDAP which was produced at Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl under grant No. 00.071.2005 of the Klaus-Tschira-Foundation.




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